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Theaterbesuch der Klasse Z2Ti2

Rezension zu  „Ein Volksfeind“ Henrik Ibsen

Am Abend des 28.06.18 stand mal wieder ein gemeinschaftliches Klassenereignis an, zu dem wir uns am Theater Heilbronn trafen. Auf Anregen unserer Deutschlehrerin Frau Aldinger besuchten wir das Theaterstück „Ein Volksfeind“, von Henrik Ibsen. Obwohl die Teilnahme auf freiwilliger Basis war, erschien die gesamte Klasse vollzählig im feinsten Zwirn und sogar pünktlich (!). Auch Herr Schumacher war gerne bereit, dieses kulturelle Ereignis mit uns zu teilen. Bestens gelaunt und nach einer kurzen Erfrischung an der Bar, hieß es Platz zu nehmen im Zuschauersaal.

Die Klasse und die Lehrer bekamen ein von Gesellschaftskritik fast schon überladenes Drama zu sehen.

„Ein Volksfeind“ handelt in einer Kleinstadt mit einem äußerst beliebten Kurbad für Touristen. Jenes bildet auch die zentrale Säule der dortigen Wirtschaft. Eines Tages entdeckt der zuständige Arzt Dr. Stockmann nach ausführlichen Analysen, dass das Wasser des Bades aufgrund einer defekten Abwasseranlage verseucht und gesundheitsgefährdend ist. Er ist der Auffassung, der Stadt mit dieser Entdeckung einen großen Dienst erwiesen zu haben, da man nun die Möglichkeit besäße das Problem zu beheben, bevor es zu größeren Schwierigkeiten käme. Mit diesem Anliegen tritt er schließlich an den Bürgermeister heran, der zugleich sein älterer Bruder ist und sich als Verfechter der Mutmaßungen des Kurarztes heraus stellt. In seinen Augen ist es mal wieder ein Hirngespinst seines Bruders, wie sie schon oft in der Vergangenheit auftraten. Mit den Laborbefunden und einem ausführlichen Bericht wendet sich Dr. Stockmann erzürnt an ein antikapitalistisches Blatt, das zunächst Feuer und Flamme für die Geschichte ist. Auch ein Vertreter der breiten Mittelschicht schlägt sich prompt auf die Seite von Dr. Stockmann, dem offensichtlich immer mehr seine eigene Integrität und Nächstenliebe imponiert. So wird er ironischerweise zu Beginn auch als „VolksFREUND“ betitelt.

Nachdem Bürgermeister Stockmann zur Erkenntnis gelangt, dass sein Bruder tatsächlich Recht hat mit den Behauptungen, beginnt er, mit politischen Intrigen und dem Schüren von Ängsten in der Bevölkerung, gegen den vermeintlichen „Volksfreund“ zu wettern. Schnell ist zu beobachten wie Presse und Mittelschicht aufgrund von wirtschaftlichen Interessen Moral und Ethik rasch ignorieren und eine Hetzkampagne gegen Dr. Stockmann in Gang bringen, die ihn im Handumdrehen zum „Volksfeind“ macht. Mit zunehmender Diskreditierung und dem drohenden Verlust seiner Anstellung im Kurbad, findet sich der Arzt in einem Dilemma wieder. Soll er dem Druck nachgeben und seine moralischen Prinzipien verraten, um somit den Unterhalt seiner Familie zu sichern oder soll er standhaft bleiben und gegen die verlogene „Obrigkeit“ ankämpfen?

Interessant ist in der Diskussion zu beobachten wie Fakten und Tatsachen entweder gänzlich ignoriert oder vollkommen verdreht werden. Eine Situation, die Dr. Stockmann zunehmend in den Wahnsinn treibt, aber er entschließt sich dennoch standhaft zu bleiben. Als Konsequenz folgt die nahezu komplette Vernichtung seiner Existenz. Er findet sich obdachlos und mit seinen letzten Habseligkeiten auf einer Müllhalde wieder, wo er auch noch zum krönenden Abschluss von seinem eigenen Bruder den Gnadenstoß in Form der Kündigung im Kurbad versetzt bekommt. Dem Wahnsinn schon ganz nahe, ob der Ungerechtigkeit, die ihm widerfahren ist, fasst er den Entschluss noch einen letzten Versuch zu unternehmen um die weitgeläufige „Dummheit“ in der Gesellschaft von Grund auf auszumerzen, indem er auf dem symbolischen Scheiterhaufen seines Lebens unterrichten und lehren will.

Auf die Weise endet das Stück sehr offen und überlässt der Fantasie des Zuschauers ein Urteil, ob es sich denn lohne für seine Ideale zu kämpfen und Integrität zu bewahren oder ob es vielleicht doch kontraproduktiv sein könne gegen die Mächte der „Obrigkeit“ anzukämpfen. Es vermag dem Zuschauer kein klares Urteil über die Moral der Geschichte zu fällen, da nicht klar ersichtlich ist, ob der tapfer kämpfende Mann nun Existenz UND Verstand verloren hat oder ob er noch mit letzter Kraft einem Hoffnungsschimmer nacheifert und seinen Werten treu bleibt.

Henrik Ibsens Drama „Ein Volksfeind“ weist auf eine Großzahl gesellschaftlicher Probleme hin: Vor allem die Unmündigkeit der Menschen, sich eigene Meinungen zu bilden und den wirtschaftlichen Reizen zu versagen, stehen im Fokus. Diese werden von Politik, Presse und Industrie dargestellt, wohingegen der Hauptcharakter Dr. Stockmann als Gegenpol und moralische Instanz dient, welche - laut Ibsen - jedoch offenkundig keine große Verwendung in der heutigen Zeit mehr findet; so zumindest der Kern seiner Gesellschaftskritik.

Im Anschluss des Stücks und nach einer kurzen Podiumsdiskussion im Foyer des Theaters trennten sich die Wege der Klasse, wobei die ein oder anderen noch den Abend bei erfrischenden Getränken in den nahegelegenen Bars ausklingen ließen.

Oktober 2018
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